Mein Name ist Ewald Lienen. Ich wurde am 01. Februar 1980 in Frankenthal im heutigen Rheinland-Pfalz als uneheliches Kind des tschechischen Diplom-Harfenstimmers Pavel Pavolenko Dingenskirchen und der ugandischen Performancekünstlerin N’Gramba Pelepele-Kadonga Lienen geboren. Dort verbrachte ich mein erstes Lebensjahrzehnt in bitterer Armut. Wir lebten unter dem Spülbecken einer Töpferwerkstatt, wo ich mir beim Schein der Leuchtdiode des Warmwasserboilers mit Hilfe einer litauischen Taschenbibel und eines thailändischen Kompendiums deutscher Verwaltungsgesetze das Lesen beibrachte, bis meine Mutter auf Betreiben der iranischen Regierung eine Führungsposition in der Pressestelle des iranischen Atomprogramms annahm und wir zwei glückliche Jahre in Teheran verbrachten. Meinen beiden Brüder, der ehemalige Kinderstar einer bekannten Revue-Show Blaise Gneisenau Pelepele-Kadonga Lienen und der Chefphilosoph der Firma Bauknecht Ramòn Sergejewitsch Lienen-Prvo verdanke ich das Gelingen unserer Flucht aus dem Iran, nachdem meine Mutter durch eine verpatzte Eiskunstlauf-Kür bei den dortigen Machthabern in Ungnade gefallen war. Aus den Kirchensteuerbescheiden der letzten zehn Kalenderjahre fertigten Sie eine Pappmaschee-Nachbildung der „Bismarck“ im Maßstab 1 zu 5000, mit deren Hilfe wir unter Einsatz des Lebens unserer Afghanischen Fluchthelfer das Kaspische Meer überquerten. Nach Frankenthal zurückgekehrt beschloss ich an der Jeanette-Biedermann-Hauptrealschule für höhere Töchter meine schulische Karriere mit dem Abitur (Gesamtnote: äußerst ausreichend) und dem Wunsch, eine Ausbildung zum Latin Lover zu absolvieren.

Nach Ableistung meines freiwilligen ökologischen Jahres in der Trikotagenabteilung der Willy-Wonka-Kautschukfabrik entschloss ich mich jedoch um und holte meinen Wehrdienst bei der siebten Handstaubsaugerbrigade in Elberfeld nach. Dort wuchs in mir das Bedürfnis, meiner poetischen Ader Raum zu lassen. In den darauf folgenden Jahren verfasste ich zahllose Balladen, Essays und Schelmenromane, die ich unter dem Namen Rijn van Dornik als die „Rüdesheimer Elegien“ veröffentlichte (Fischer-Verlag, ISBN 978-3-86680-192-9).

Von der Oberflächlichkeit der heutigen Hechtfischerei enttäuscht, wandte ich mich schließlich dem zu, was in all den Jahren als meine wahre Berufung in mir schlummerte. Ich studierte Jura und publizierte in der Zeitschrift für die gesamte Wissenschaft der Rechtsbotanik Pamphlete gegen die Einführung der Helmpflicht für Osterglocken. Um gegen die Benachteiligung der Eingeborenen in Nicaragua zu protestieren und ein Zeichen gegen das Diktat der freimaurischen Weltverschwörung zu setzen, entschied ich mich gegen eine Promotion und begann das Referendariat in Hessen, Mecklenburg- Vorpommern und dem Saarland, welches ich zur Erleichterung aller Beteiligten im August erfolgreich abschließen werde.

Ich strebe hiernach keine Karriere in der freien Wirtschaft an und plane stattdessen ein Praktikum in der Botschaft des Herzogtums Eisleben bei der OPEC.