Auch wenn ich kein großer Freund von Redensarten bin, weil ich mich in der Regel nicht dafür interessiere, wo der Bartel seinen Most herholt oder wie man in der Praxis am besten vorgeht, um jemanden einen Bären aufzubinden. Aber manchmal habe auch ich das Gefühl, ich sei im falschen Film. Das sagt man wohl so, wenn man ausdrücken möchte, dass man einer paradoxen Situation ausgesetzt war.

Einmal habe ich tatsächlich im falschen Film gesessen. Freunde hatten mich überredet, mit ins Kino zu kommen und „Ring“ anzusehen (Der heißt im englischen Original übrigens „The Ring“ und ist ein Remake eines japanischen Films, der seinerseits „Ringu“ hieß.). Ich wusste nicht genau, was das für ein Film sein sollte und war vorwiegend mitgekommen, um nicht alleine rumzusitzen und weil ich es ab und an sehr genieße, dieses supersüße Popcorn zu essen. Ich bin aber kein Fan von Horrorfilmen, und „Ring“ ist einer, auch wenn Wikipedia sich darauf versteift, es sei das Remake einer Literaturverfilmung. Verständlicherweise war ich also nicht begeistert, als ich mir das Poster und die aufgepinnten Vorschaufotos sah und von der hahnebüchenen Story erfuhr.

Um so erleichterter war ich dann, als dann plötzlich George Clooney durchs Bild schwereloste und ansetzte, seine „Solaris“-Performance abzuspulen. Meine Begleiter stöhnten auf und wir mussten dann zu meinem Verdruss den Kinosaal verlassen, weil wir eben im falschen Film waren.

Ich hatte aber auch schon mal das redensartliche Gefühl im übertragenen Sinne, als letzte Woche zum Beispiel mein Mithotelgast, oder Hotelmitgast, jedenfalls der Kerl, der mit mir im gleichen Hotel wohnte (Zimmer 4), mir zu erklären versuchte, dass es Goliath tatsächlich gegeben habe. Riesen habe es früher nämlich wirklich gegeben. Die seien entstanden, wenn Frauen mit Engeln verkehrt hätten. Die beste aller denkbaren Freundinnen wandte dann geistesgegenwärtig ein, dann hätten die armen Frauen doch explodieren müssen (nachgestellte Szene mit Ersatzflüssigkeit), aber da hatte der seltsame Mensch in seiner Kinderbibel schon die nächste Seite aufgeschlagen und festgestellt, dass Babylon architektonisch große Ähnlichkeiten mit Stralsund habe.

Ein längerwährendes Gefühl der Falschverfilmung hatte ich während meiner Studentenzeit, als ich mich in einer WG mit einem aushilfskellnernden Bienenzüchter und kleinkriminellen Jungunternehmer und einem Physikstudenten wiederfand, der in seiner Freizeit die gefrierbrandfreie Aufbewahrung von Leichen (inklusive seiner eigenen) in Flüssigstickstoff erforschte.

In einer ähnlich paradox erscheinenden Situation, die bei Lessing vermutlich nicht ohne den Freitod aller mit bürgerlichen Tugenden bestückten Anwesenden hätte gelöst werden können, befanden sich die feist ihr Mahl einnehmenden Besucher dieses Einkaufszentrums. Sie konnten ja nicht ahnen, dass die Fachfrau für Systemgastronomie nicht anders mit der Situation umgehen konnte, Limonade verschüttet zu haben. Das wäre ja normalerweise kein Drama. Sie hat aber eins draus gemacht. „Ein Drama aus etwas machen“. Ist ja auch so eine Redensart.

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