Es gibt Artikel, deren Inhalt einfach nie das Versprechen einlösen können werden, das die Überschrift gegeben hat. Dieser Artikel gehört nicht in diese Kategorie, obwohl er zwei klassische Elemente der Komik miteinander verbindet: Einräder und in die Luft geworfene Fische.

Aber der Reihe nach.

Ich habe mein Weltbild mittlerweile – nicht ohne unerträglichen Weltschmerz – der Erkenntnis angepasst, dass das Leben keine Folge der Gilmore Girls ist, respektive sich in einem Stars Hollow abspielt, in dem es eben auch Chlorakne, GEZ-Gebühren, steigende Sozialversicherungsbeiträge und generell ziemlich viel schlechte Laune auslösenden Quatsch gibt. Dementsprechend fange ich mich daran zu gewöhnen, dass der Kreis der Tattooträger nicht längst mehr auf Piraten und betrunkene Prostituierte (diese Tätowierung bedeutet übrigens genau dies) begrenzt ist und nunmehr offenbar auch Biertrinker, Fans der Simpsons, Fastfoodliebhaber, Inhaber zusammengewachsener Zehen (mit etwas seltsamem Geschmack bei der Wahl der Nagellackfarbe), stolze Väter, Freunde keyboardspielender Katzen und Naldo (nach dessen Religion anscheinend lehrt, dass Jesus ein Mann von beträchtlicher Oberweite war) umfasst. Übrigens auch eine Heerschar von Menschen mit bizarren Vorstellungen von Körperverschönerung, auf die ich schon deshalb nicht verlinke, weil ich immer noch die Hoffnung habe, meine Eltern könnten sich auf diese Seite verirren. Und weil ich trotz anderslauternder Vorsätze immer noch Mitglied der katholischen Kirche bin.

Geduldig habe ich ertragen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die nicht dafür geschaffen zu sein scheinen, von mir verstanden zu werden. Dazu gehört die schiere Existenz von Menschen, die „Italien“ für eine vertretbare Antwort auf die Frage halten, wer verdient hätte, die Weltmeisterschaft 2006 zu gewinnen. Oder die von (nicht notwendigerweise anderen) Menschen, die auf die Frage nach dem Land mit dem sympathischsten Regierungschef die gleiche Antwort geben, obwohl sich hier die Antwort „Luxemburg“ förmlich aufdrängt. Die Tatsache, dass es ein Paralleluniversum gibt, in dem ein Mensch, der sich nicht mehr genau daran erinnern kann, ob er von einem Waffenhändler 100.000 DM entgegengenommen hat, ein tauglicher Kandidat für das Amt des Bundesfinanzministers ist, gehört genau so in diese Liste wie die Feststellung, dass dies ausgerechnet das Universum ist, in dem ich lebe. Aber ich schweife ab.

Sollte ich aber irgendwann vor dem Herrgott stehen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde und seinem zu seiner Rechten sitzenden Sohn Jesus Christus (ein Ereignis das ich zunächst für sehr unwahrscheinlich halte, weil ich – wie oben erwähnt – ja aus der Kirche austreten werde, von dem ich aber hilfsweise hoffe, dass es noch möglichst weit in der Zukunft liegt), und dieser Herrgott würde großzügig über meinen Atheismus hinwegsehen und mir die Beantwortung einer Frage gewähren, würde ich die nach den Hintermännern des Kennedy-Attentats, nach den fehlenden Minuten der Watergate-Tonbänder und die, warum auch Männer Brustwarzen haben gerne zurückstellen und diese hier stellen:

Was zur Hölle soll dieses Tattoo?

Wie viel Leid muss die Menschheit noch ertragen?

Vielleicht gibt es ja eine gleichermaßen vernünftige und herzerwärmende Geschichte hinter diesen zwei Dutzend Quadratzentimetern für immer verlorene Haut. Möglicherweise war der Tattooträger beim Arzt, der ihm mitgeteilt hat, er habe nur noch vierundzwanzig Stunden zu leben. Und in seiner Agonie begegnete er einem spleenigen, sadistischen, aber gutmütigen Milliardär (wie man sie aus Film und Fernsehen kennt), der dem vom Tod Bedrohten versprach, eine Million an die zu erwartenden Hinterbliebenen zu spenden, wenn er sich dieses – auch nach längerer Betrachtung nichts von seiner abstoßenden Wirkung verlierende – Schandmal stechen ließe. Und vielleicht hat dieses Unsittengemälde ja tatsächlich dazu beigetragen, dass seine Courtney-Love-Doppelgängerin von Freundin nicht mehr darauf angewiesen ist, Sexspielzeug-Tupperparties zu veranstalten, um die elfjährige ketterauchende Halbwaise durchzubringen.

Ich hätte mich – vor die gleiche Wahl gestellt – reinen Gewissens dafür entschieden, meine Witwe in Armut olivertwistschen Ausmaßes zu hinterlassen, als den Weg vom Hinterhof-  oder Hafentattoostudio ins Krematorium mit einer derartigen Erniedrigung zu beschreiten. Und das, obwohl ich zum Leidwesen der besten aller denkbaren Freundinnen, bekennender Fan von Family Guy bin.

In vorauseilendem Gehorsam gelobe ich jedenfalls, nie wieder diese Website zu besuchen. Meine Leser sollten es mir nachtun.

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